Inzwischen sind einundachtzig Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen und es gestaltet sich zunehmend als große Herausforderung für die Gesellschaft, die Erinnerungen wachzuhalten und eine aktive Auseinandersetzung nicht zu scheuen. Diese kritische Auseinandersetzung ist ein wesentlicher Schlüssel dazu, aus der Vergangenheit zu lernen. Dies trifft in besonderem Maße auf den Holocaust und seine Folgen bis heute zu.
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Waldkirch gedachte am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee diesem, in der Geschichte der Menschheit beispiellosen Zivilisationsbruch durch eine würdige Gedenkveranstaltung. Die Kursstufe führte sich so das Schicksal der durch das nationalsozialistische Regime in einer menschenverachtenden Vernichtungsaktion in Auschwitz und anderswo ermordeten sechs Millionen ermordeten Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und Andersdenkenden durch Augenzeugenberichte vor Augen.
Ein Schwerpunkt lag auf der Erschließung der Vorgeschichte des planvollen Massenmordes an den europäischen Juden. Der Historiker Dr. Heinrich Schwendemann stellte in seinem quellenreichen Vortrag über die Juden in Baden bis 1933 dar, wie sehr sich die jüdische Bevölkerung seit dem Mittelalter teils heftiger Ressentiments ausgesetzt gesehen hatte, dennoch aber stets den Willen und die Bereitschaft zur Assimilation oder Akkulturation mit der nichtjüdischen Mehrheit in der südbadischen Bevölkerung wahrte und sich teils erfolgreich in die Gesellschaft integrierte. Dennoch blieb die Skepsis in weiten Teilen der nichtjüdischen Gesellschaft bestehen – dieser latent schwelende rassische Antisemitismus, der sich nicht selten durch schieren Sozialneid manifestierte, sollte es dann den Nationalsozialisten ab 1933 leicht machen, mithilfe von Hasspropaganda im Volk Stimmung gegen die jüdische Minderheit zu machen.
Seit dem Mittelalter fortwährende Stereotype gegen die Juden – so eine wichtige Erkenntnis des Expertenvortrages – trugen maßgeblich zum Erfolg der NS-Propaganda bei und ermöglichten es, dass eine über Generationen integrierte religiöse Minderheit nun systematisch unter den Augen der Öffentlichkeit diffamiert und ausgegrenzt wurde.
Gerade im Hinblick auf die Namenspatrone der Schule – Hans und Sophie Scholl – wurde allen Beteiligten so verdeutlicht, dass nur gelebte Menschlichkeit mit Respekt und aktivem zivilgesellschaftlichem Engagement mit klarem Bekenntnis zur Demokratie eine Gesellschaft vor einer derartigen „Ungeheuerlichkeit“ bewahren kann. Schule als Institution kommt hier eine wesentliche Bedeutung zu, oder um es mit Theodor W. Adorno zu formulieren: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“
gez. Christian Schmieder
(Fachschaft Geschichte am Geschwister-Scholl-Gymnasium Waldkirch)
